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Recherchen der Autorin:

Als Kulisse der Romanhandlung hatte ich den minoischen Kulturkreis auf der griechischen Insel Kalliste (auch Thera oder heute Santorini genannt) kurz vor deren Zerstörung durch den Vulkanausbruch vorgesehen. Dessen gewaltige Eruption wird gemäß W. L. Friedrich (s.u.) auf das Jahr 1645 v. Chr. datiert. Mit einer Geschichte, die im Jahre 1670 v. Chr. beginnt, kann die bronzezeitliche Gesellschaft der Insel vor ihrer Zerstörung beschrieben werden. Auf der Basis meiner eigenen Vorliebe für Abenteuer, entwickelte ich für meinen ersten Roman eine packende Geschichte, eingebettet in die damalige theräische Kultur. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Erfahrungen und Erlebnisse eines jungen Mädchens aus „Arepirena“, einem fiktiven Namen. Heute nennt man diese, von Spyridon Marinatos – ab dem Jahre 1967 im Süden der Insel – ausgegrabene Stadt „Akrotiri“, wie das nahe gelegene Dorf.

Prähistorisches Museum Prähistorisches Museum Prähistorisches Museum

Die archäologischen Funde, insbesondere die Wand- malereien, bilden die Basis für eine Rekonstruktion der damaligen Lebensverhältnisse. Eine enge Verbindung zum minoischen Kreta wurde u. a. von der Tochter des Archäologen, Dr. Nanno Marinatos, nachgewiesen, die auch viele Hinweise auf die vorherrschende Stellung der Frau fand. Nachdem uns hier wohl das schöne Beispiel einer mutterrechtlichen Gesellschaft vor Augen geführt wird, war es mir ein wichtiges Anliegen, diese mit ihrem ausgeprägten Sinn für Ästhetik literarisch auszumalen.

Historische Überlieferungen der minoischen Zeit waren zu berücksichtigen, soweit es solche von einer Kultur der Bronzezeit, deren Schrift erst zum Teil entschlüsselt wurde, überhaupt gibt. Inhaltlich verwertbare schriftliche Sekundärquellen liegen uns erst aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. z. B. von Hesiod und Homer vor. Zusätzlich lässt auch die vielfältige altgriechische Sagenwelt Rückschlüsse zu. Ebenso hat mich der Romantiker Johann Jakob Bachhofen inspiriert, der im 19. Jahrhundert in seiner „Untersuchung über die Gynaiokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur“ umfangreiches Material aufgestöbert hat (Das Mutterrecht, Stuttgart 1861). Daneben waren die Vulkanismus-Forschungen des Walter L. Friedrich über die alte Gestalt der Insel für den Roman wesentlich. Der Geologe hat in seinem Sachbuch „Feuer im Meer“ (München, 2. Auflage 2005) Bezüge zur Atlantis-Legende hergestellt.

Ein minoisches Fresko gefunden in Ägypten; wodurch sich die archäologisch erstellte minoische mit der absoluten Chronologie Ägyptens verknüpfen ließ:

Zurückgehend auf die hohen kulturellen Erbschaften der vorherigen Epoche, musste ich die ägyptische (Altes Ägypten – Wikipedia), wie die sumerischen Hochkultur Mesopotamiens und die IndusKultur würdigen. Ich durfte aber, neben dem Gilgamesch-Epos und den Weisheiten der Veden (Veda), die folgende Epoche des Klassik (Antikes Griechenland) nicht aus dem Blick verlieren.

Die Romanfiguren mit ihren Stärken aber auch menschlichen Schwächen lassen eine ferne Ver- gangenheit lebendig werden. Das bewegte Schicksal der rührend tapferen Heldin Artépe, deren Irrtümer und Zweifel sie besonders liebenswert darstellen, mag mancher Leserin gar eine Identifizierung ermöglichen. Die Verfolgung der Heldin durch die Rachegöttin Adrasteia, aufgrund einer ungesühnten Schuld ihrer Großmutter, bildet den roten Faden durch die gesamte Geschichte, in Anlehnung an griechische Tragödien. Das Ritual der Initiation, die Weihe zur Frau, wird als wesentlicher Teil einer naturverbundenen Kultur aus der Perspektive des Mädchens Artépe beschrieben. Im Hintergrund steht eine Form des Zusammenlebens, bei der die Arbeit in der Großfamilie, Religion, Ordens- und Gesellschaftsstruktur fest miteinander verwoben sind und wo der Mensch die Naturgötter noch wahrnimmt.

Die wesentlichen Elemente der minoischen und therä- ischen Kultur fließen in die Handlung dieses Romans ein: die Religion, der Tempel mit den Priesterinnen der Magna Mater, die Schicksalsgöttin, deren drei Moiren das Schicksal der Menschen steuern, die chthonische Muttergöttin mit ihren vielen Namen und Erscheinungs- formen z. B. als dreifaltige Demeter oder Gaia und der dazu passende Schöpfungsmythos, die göttliche Erhabenheit von Sonne und Mond, das Symbol der stilisierten Stierhörner, die Labrys und die Spirale als Teil der Symbolik der Göttin der Erde und der Fruchtbarkeit, die tiefe Spiritualität auch in der aphroditischen Erotik, die matriarlineare Erbfolge, die Initiationsriten mit der Verletzung an der Ferse, das feierliche Krokospflücken, der rituelle Sprung über den Stier (damals kleiner als bei heute lebende Rassen), dieser Taurus als Männlichkeits- symbol, das Labyrinth und nicht zuletzt die Liebe zur Kunst, zur Natur und zum Meer, als der Wiege des Lebens.

Die Geschichte steuert auf die Verwüstung von Kalliste/Thera durch die Eruption des Vulkans zu. Die kriegerischen Achaier, die bereits die jungen Götter Zeus und Poseidon verehren und nach Eroberungen trachten, treten als Bedrohung der matriarchalischen Kultur auf, exemplarisch in der mythischen Gestalt des Lykaon. In der Romanhandlung lassen Hinweise darauf schließen, dass, angeführt durch Zeus, ein Kampf der jungen Göttergeneration gegen das elterliche Geschlecht der Titanen bevorsteht. So sieht die Heldin in einer Vision, dass Zeus den Krieg erklärt, der zehn Jahre lang mit aller Härte geführt werden wird. Das Ende der Kämpfe der Titanomachie und der Vulkanausbruch werden in einem Fortsetzungsroman geschildert, der zur Zeit in Arbeit ist. Der passende Schöpfungsmythos steht im Mittelpunkt der Rekonstruktion des Geistes einer versunkenen Epoche.   Jedwede Anregung und konstruktive Kritik ist mir willkommen. Leider habe ich mit der Kommentarfunktion zur Zeit ein Problem. Hierfür entschuldige ich mich bei allen interessierten Lesern. So lange könnt ihr mir ersatzweise über „info@saratempel.de“ schreiben!   Als Romanautorin wurde ich zu Überlegungen angeregt, die aus der Betrachtung der Historie entstehen, wie z.B.: Ist das Patriarchat als Wahrer der rechten Sitte dem Matriarchat überlegen? Kann der Mensch aus sich selbst heraus etwa wahrhaft Erhabenes schaffen oder ist das, was er für originär hält, nur ein Abglanz des Göttlichen? Warum hat der forschende Mensch, der seit der Aufklärung so viele nützliche technische Erfindungen machte,den Bezug zum Jenseits verloren? Wieso konnte er, aufbauend auf den vielversprechenden Ansätzen der Bronzezeit und der Klassik, bis heute keine freie und gerechte Wirtschafts- und Regierungsform entwickeln, sondern neigt immer stärker zu totalitären Diktaturen? Obwohl wir die Harmonie mit der Mutter Erde und ihrer gesamten Natur einst im goldenen Zeitalter (Paradies) erleben durften, entfernen wir uns immer weiter von ihr.  Müssen Naturkatastrophen und Kriege die Völker regelmäßig dezimieren? Welcher Geist treibt die Menschheit nicht nur zum Fortschritt, sondern auch in den Wahn der Ausbeutung der Erde, bis zur Zerstörung ihrer Natur? Entstammen alle üblen Eigenschaften, welche die Menschen der Postmoderne zum Bösen führen, der Erkenntnis von Individualität, ihrer Erbsünde? Wie lange konnte das Böse durch einen religiösen Konsens gut im Zaum gehalten werden? – Bringt der egomanisch-narzisstische Mensch der Postmoderne die Gier nach materiellem Besitz und Konsum, durch die alles Spirituelle verkümmert, zum endgültigen Höhepunkt? Wurde der Gott des alten Testaments der Juden gar zum Götzen des Goldes, die Geldvermehrung sein Credo?   Mit folgendem Zitat des kolumbianischen Philosophen Nicolás Gómez Dávila möchte ich diese Überlegungen schließen: «Es gibt keine Dummheit, die der moderne Mensch nicht imstande wäre zu glauben, sofern er damit dem Glauben an Jesus Christus ausweicht.» (Philosophie: Der letzte Reaktionär | Literatur | ZEIT ONLINE)

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Geschrieben von sara tempel am 30. August 2011 | Abgelegt unter | Keine Kommentare

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