Mythos

 

Der Schöpfungsmythos (Copyright: Sara Tempel)

in der ausführlichen Fassung, die im Orden der Gaia vor dem Vulkanausbruch auf Kalliste gelehrt wurde.

In der gähnenden Leere des Anfangs, dem dimen- sionslosen Raum, zeigte sich klaffend das endlose Chaos der ewigen Nacht. In Gestalt der schwarzen Nyx dehnte diese sich aus, drehte sich rhythmisch pulsierend zu wirbelndem Tanz, Chaos in ihrem Zentrum. Mit sphärischem Gesang fand sie Chronos, die Ordnung der Zeit und erweckte Ouroboros, die Urschlange. Diese löste sich aus endloser Selbstverzehrung und formte die Glieder der Tänzerin, sich mit deren Wärme auszutauschen. Bildergebnis für william blake satan watching adam and eve Ouroboros giftiges Agens setzte Naturgewalten frei und entfesselte Boreas, den Wind aus der bodenlosen Tiefe. – Die dunkle Allgöttin, die wandelbare Nyx, voller Hitze, mochte nun die Gestalt des Gefäßes annehmen und daraus gebären. Ihrer Natur folgend, sollte sie das purpurrot-glühende Weltei aus verborgenen Urgewässern durch Magie komponieren. Sie gebot der Schlange, die sich um die Leere der schönen Allmutter gewunden hatte, das Weltei zu legen und sich dann fünfmal um das kosmische Ei zu winden, es auszubrüten. Mystische Heilige und alchemistische Symbole versammelte der jüngste und talentierteste Zeichner der Phantastischen Realisten, Ernst Fuchs: "Kampf der verwandelten Götter" (1951/52).   In dessen Hülle schwebte eine unbewegte Seele über aufgewühlten Wassermassen und öden Sumpfflächen. Als die Schale des ordnenden Welteis barst, trieben oben die sieben Planeten mit Mond und Sonne wie Küken hinaus. Die jungen Gestirne waren umgeben von reinem Aether. Der stieg in höchste Höhen zur Stille auf. In der Tiefe lag die Erde. In Kuhgestalt leitete die Eine das Wasser aus dem Ursumpf zum Strom des Flussgottes Okeanos, der wiederum das Urmeer der Göttin Thalassa durchfloss. Der Mitte entschlüpfte Eros, der hermaphroditische Gott des ersten Tages.Bildergebnis für eros gott Die Urschlange häutete sich unter Zuckungen. Im dichten Staub des Chaos verbarg sie ihre verletzliche Nacktheit. Abgeschirmt vom Blick der Zeit, harrte ihr Gelege im Abgrund des Jenseits, dem Erebos. Genährt von giftiger Schlangenbrut, gewann dort der finstere Tartaros Macht. Aus bodenloser Kluft wuchs seine alles Licht schluckende Schattengestalt. Das Licht von Mond und Sonne offenbarte die Schönheit der Welt und verbannte alles Häßliche in den ungeordneten Tartaros. Um der Ausdehnung jenseitiger Finsternis mit Hilfe der Sonne Einhalt zu gebieten, sang ihm die allumfassende Nyx eine starke Schwester herbei. Es war Hermera, die ihren Sitz im Aether des Himmels haben sollte. Die schöne Göttin entzündete mit ihrer Fackel die Morgenröte aus der jungen Sonne. So brachte die strahlend helle Hermera den Tag mit dem Glanz ihres Lichtes und schied ihn von der Nacht des Bruders. Erebos jedoch trachtete danach, den hellen Tag der Hermera für immer zu verdunkeln. Den düsteren Plan zu vereiteln, jagte die Sonnenbotin mit ihren Lichtpfeilen nachts die Schattenhunde des Erebos; immer wachsam, kampfbereit, die jungfräuliche Jägerin. Die Schlangenhaut nahm die Form der Weltspindel an, als Harmonia sorgt sie für den rechten Ausgleich. Derweil Nyx sich die Spindel in den Schoß legte, wandelte sich die Göttin zur weisen Ananke, die Schicksale von Völkern zu spinnen. Mit der folgenden Zeit des Chronos sollten aus Ananke drei Töchter hervorgehen: die greisen Moirai, Spinnerinnen aller persönlichen Schicksale.  Das Land der Erde wurde an seinem äußersten Rand vom Wasser des Okeanos umspült, dessen Strom immerwährend kreisend in sich zurückfließt. In Thalassas schwellender Meeresbrandung fand sich der junge Eros. Bild in Originalgröße anzeigen Die Allgöttin der Metamorphose hatte nun bereits zwei ihrer ewigen Gesichter entfaltet: das der jungfräulichen Tochter Hermera und das der dunklen Göttin Ananke. Der Verführer Eros zog die kuhgestaltige Göttin in den Sumpf hinab. Im Morast prägte die chtonische Erde ihr drittes Gesicht: das der fruchtbaren Mutter.

Die mütterliche Gaia schlief tief, derweil sie im Traum den Sonnenphallus empfing. Eros, der Bruder, hielt die Schlafende in seinen Armen und zeigte der Erde die Orgie der Verschmelzung. Erwachend schenkte die Erdmutter ihrem Sohn und künftigen Gatten Uranos das Leben. Als Himmelsgott mochte er sie mit seiner Sphäre umgeben, mit seinem Regen befruchten und ihren göttlichen Kindern nach ihrer Geburt als Heim dienen. Aus der Erdgöttin Fleisch auffalteten sich nun die Gebirge.Bildergebnis für ernst fuchs die bachnymphe

Nach einer Weile erhob sich Gaia, stieg langsam aus morastiger Tiefe hinauf, erkannte den Himmel und empfing durch ihn das erste Wort: Mann! Sie formte aus Schlamm den Urmann, legte ihn ins Nachtmeer und der junge war zugleich auch ein alter Mann. Das Meer schenkte diesem Mann mit uralter Seele, Pontos genannt, die Fähigkeit, die Form jedweder Kreatur anzunehmen. In Gestalt des Riesenkraken befruchtete Pontos die Muschel der Thalassa. Unermüdliche Vereinigung des Götterpaars bevölkerte die Gewässer mit den flinken Fischen. Zu ihren direkten Nachkommen zählen die Geschwister Phorkys nebst Keto und deren Töchter, die drei Gorgonen. Außerdem brachten sie Proteus und das Paar Nereus und Eurybia hervor. Damit begründeten sie das Nymphen- geschlecht der Nereiden. Pontos lebt jedoch bis heute in seinen dreieinigen Söhnen Proteus, Phorkys und Nereus weiter und bleibt doch stets derselbe Alte des Meeres.

Die Erdgöttin rief ihn zu ihrem Berg, gab sich dort dem Uranos hin und verharrte in unermüdlicher Umarmung mit dem stürmischen Himmel. So geschwängert, gebar die Erde ihre sechs ersten Kinder, drei Kyklopen und drei Hekatoncheiren. Die Geburt der Riesen war so schmerzhaft und ihre aus der Erde brechenden Gestalten so hässlich, dass der himmlische Vater sie in den Leib der Mutter zurückstieß, wo sie ihr weitere Schmerzen bereiteten. Danach ging Gaia mit den Titanen schwanger, der nächsten Göttergeneration. In permanenter Begattung verhärtete Uranos, als er mit seinem mächtigen Phallus die eigenen Kinder im Bauch der Erdmutter gefangenhielt. Darüber erzürnt, befahl Gaia ihren Titanenkindern, sich gegen Uranos zu erheben. Sie bildete in ihrem Innern eine gezähnte Sichel aus Adamant. Damit entmannte der jüngste Sohn, Kronos, den Vater, als dieser sich der Mutter voller Geilheit näherte. Wo das Blut des verstümmelten Uranos auf die Erde fiel, erwuchsen die gewaltsamen Erinnyen, die Eschennymphen, später die Giganten. Der abgetrennte Phallus fiel ins Meer. Um dessen unsterbliche Haut bildete sich im Wasser der Meeresgöttin ein sämiger Schaum. Unter dem Blick des Eros zeugte dieser formlose Schleim in Thalassas Muschel eine Göttin der fließenden Verschmelzung von Gegensätzen. Es war Aphrodite, deren makelloser Körper den Wellen ihrer Mutter entstieg, in deren Tiefen sie sich seither nach jedem Liebesakt verjüngt. In ihrem Streben nach Harmonie führt die Göttin Krieg gegen alle Wesen, die nicht zur Schönheit streben und auf der Welt Übel verbreiten. Bildergebnis für botticelli venus

Allen ihren zwölf Titanenkindern aber hatte die Mutter unterschiedliche Begabungen geschenkt, womit sie sich gegenseitig ergänzten. Ihre Gaben sollten den Ideen der Menschen Vorbild sein, so Erleuchtendes, Müheloses, Göttliches, Gedächtnis, Recht, Nährendes, Denkendes, Herrschendes, Schweres, Leichtes, das Meer und das strömende Wasser. Nachdem sie nun befreit waren, beauftragte Gaia ihre Kinder für die Elemente Sorge zu tragen. Folgsam erhoben sich die sechs Töchter zum Mond. Im väterlichen Himmel fanden sie den heiligen Teich in einer Höhle, woraus der Glanz seines weißen Wassers scheint. Die Göttinnen tauchten in das Nass ein, woher ihr Licht der Mondin die drei zyklischen Gesichter gab.  Eines Nachts blickten die Titaninnen bei Mondlicht in die Tiefe des jenseitigen Chaos. Dort sahen sie eine helle Hermera, die wie in jeder Nacht, die finsteren Hunde des Erebos jagte.Francis Bacon-120x90 in Francis Bacon. Hund der Woche (Kunstgeschichte) Eine der Schwestern, Phoibe, selbst jungfräuliche Jägerin, nahm der Sonnentochter voller Enthusiasmus die Aufgabe der Schattenjagd ab. Die strahlende Göttin ruht seitdem jede Nacht neben ihrer väterlichen Sonne unter der Erde. So erlöste die Traum-Wächterin Phoibe ihre erschöpfte Vorgängerin und ermöglichte der Hermera endlich nächtlichen Schlaf.

[Blake Print - Hecate]

Jeweils ein Titan im Wechsel geleitete tagsüber die Sonne in einer Barke über den Himmel. Die sechs Brüder hatten die Aufgabe, deren Glut zu zügeln, um die Erde vor der Dürre zu schützen. Einer von ihnen blieb und behauptete sich als Nachfolger des ursprünglichen Sonnengottes, dessen unsterblicher Geist sich im stärksten Stier seiner Rinderherde manifestierte.Hyperion, war der junge Sonnengott, der seinem ihm nahestehenden Bruder Kronos mit seinen starken Strahlen Kraft verlieh. Wie Kühe und Stiere suchten und befruchteten sich Mondin und Sonne gegenseitig. Die goldäugige Tochter Rheia, der Mutter Gaia nachfolgend, wachte mit ihrem Brudergatten Kronos über Gestirne, Geschwister und Erdbewohner. Die Titanin Tethys vermählte sich mit dem Flussgott Okeanos und tauchte ab ins Meer. Sie schenkte vielen Flussgöttern und Seejungfrauen, den Okeaniden, das Leben.  Die blutige, mit dem Samen des entmannten Uranos getränkte Sichel hatte sich derweil verwandelt und nahm zunehmend die harmonische Form einer Doppelaxt an, die kultische Labrys. Diese fiel zur Erde und schlug eine tiefe Öffnung, aus der das Blut der Gaia entströmte. Die Erdgöttin, deren Knochen aus Felsen bestehen und deren heißes Blut im Inneren brodelt, segnete die Labrys mit ihrem purpurnen Magma, das aus dem ersten Vulkan heraus floss.Der Letzte Engel, 1912. Tempera auf Pappe, ca. 52 X 73,5 cm, Nicholas Roerich Museum, New York.

Obgleich aus ihrer engen Umarmung befreit, trauerte die Erde dennoch darüber, unwiederbringlich vom Himmel getrennt zu sein. Der entmannte Gott weinte und schenkte ihr seinen Regen. Bild in Originalgröße anzeigen Die Erdgöttin streckte ihre Bergsäulen dem Himmel entgegen, ihn zu stützen. Uranos übersäte die Wölbung des Firmaments mit den leuchtenden Gestirnen, damit er des Nachts von der Erde schön zu sehen war. Ihm zum Trost widmete sich Gaia der farbenfrohen Bekleidung ihres Körpers. Unter dem Einfluss der Mondin lenkte sie den Fluss der silbrigen Ströme im Labyrinth unter der Oberfläche. An zuvor unfruchtbaren Stellen entsprangen frische Quellen. Die Mondtochter Phoibe ließ vielfältige Gräser, Blumen, Bäume und andere Pflanzen aus üppiger Saat sprießen und im Mutterboden wachsen. Rheia säte Eier von Reptilien, Ameisen und anderen Insekten in Überfluss auf feuchte Gebiete aus. Sie sorgte dafür, daß daraus wimmelndes Getier schlüpfte und sich allüberall auf dem nährenden Erdreich übermäßig vermehrte. Zwei Hände voll lebenslustiger Okeaniden, Töchter der Thalassa und des Okeanos, von Pontos befruchtet, sollten ihr Schicksal erfüllen. So geschah es, daß die Jungfrauen mit neun prallen Kindern und nur einer Missgeburt niederkamen. paintings of Faun and Nixe by Unter der Aufsicht der Göttin Rheia wuchsen die neun zu wohlgenährten Clanmüttern heran, dazu bestimmt, die Säugetiere und zuletzt in ihrem großen gebärenden Bauch die sterblichen Menschen auszutragen, welche die Erde bevölkern sollten. Auf dem hellsten Berggipfel entwarf die Große Muttergöttin den Thron für ihre Priesterkönigin. Die erste Mittlerin zwischen Menschen und Göttinnen sollte ihr von hier aus dienen. Die Götter beneideten das Menschengeschlecht fortan ob ihrer Sterblichkeit und ihrer steten Wiedergeburt aus der Großen Mutter. Inferno canto V, Francesca da Rimini

Der mächtige Kronos hatte zwar seine nächsten Geschwister, die Titanen, befreit, nicht aber seine älteren Brüder, die er insgeheim fürchtete. Schwer enttäuschte der Sohn seine Erdmutter, indem er die eingesperrten Kyklopen und Hekatoncheiren in ihrem Innern beließ. Schlimmer noch: so missbrauchte er Kampe, die raupenförmige Missgeburt der zehnten Okeanoid- en. Kronos zerstörte den Kokon der bereits Verpuppten und internierte die gefräßige Raupe im Erdinnern als Wächterin für die fürchterlichen Brüder. – Erbost prophezeite Gaia dem Titan das gleiche Schicksal der Entmachtung durch einen Nachkommen, wie es den Vater ereilt hatte. Um das zu verhindern, verschlang Kronos seine eigenen Kinder direkt nach der Geburt.  Die Gattin Rheia aber überlistete ihn nach ihrer Niederkunft mit dem jüngsten Sohn, Zagreus, den sie heimlich nach Kaptara brachte. Dort in einem Höhlen- labyrinth wurden Mutter und Sohn zum Liebespaar. Der Kindgott begehrte Rheia bald für sich alleine und versuchte seine Mutter zu vergewaltigen. Miteinander ringend, wandelten sich beide zu Schlangen und wanden sich fest umeinander. Wieder in menschlicher Gestalt, tötete Rheia den aufdringlichen Sohn mit der Labrys. Voller Sehnsucht ließ sie in ihrem Blütenkelch bald schon sein neues Leben entstehen und ihn von einer Nymphe mit Milch und Honig aufziehen. Herangewachsen wollte der junge Gott seine Geschwister befreien. Er nannte sich jetzt Zeus und weigerte sich, der Geliebte seiner Mutter zu sein. Zeus überredete seine Amme, dem Vater ein Brechmittel unter die Nahrung zu mischen. Als die Wirkung einsetzte, würgte Kronos seine verschlungenen Kinder Hestia, Demeter, Hera, Hades und Poseidon aus.  – Auf dem fruchtbaren Körper der Erde hatten sich mittlerweile die Pflanzen, Tiere und Nymphen üppig vermehrt. Dagegen blieb das ursprüngliche Volk der Menschen überschaubar. Deren schöne Frauen und Männer, alle von schlanker Gestalt, lebten voller Harmonie in einer großen Familie, teilten alles miteinander und benötigten keine Kleidung. Sie verständigten sich empathisch mit den Naturgeistern der Pflanzen, sowie den Nymphen der Bäume und der Gewässer. Mirth - William Blake  Die Glücklichen sprachen mit den Tieren und aßen weder ihr Fleisch noch ihre Eier. Sie kannten noch nicht die Mühen des Ackerbaus, denn ihre fürsorgliche Erdmutter schenkte Nahrung im Überfluss. Sie erlaubte ihnen kraft ihres Geistes im Kollektiv schwere Steine zu bewegen, um damit Kultstätten zu gestalten. Zufrieden lebten die Menschen für den Augenblick, kannten keine Krankheit, alterten nicht und starben zur vorbestimmten Zeit ohne Schmerzen den guten Tod (Euthanasie) um aus ihrer Großen Mutter wiedergeboren zu werden. Adamo ed Eva dormienti Das edle Göttergeschlecht der zwölf Titanen lenkte in diesem goldenen Zeitalter gemeinsam den Kosmos.

Die jungen Götter der folgenden Generation strebten nach Macht und fanden Gefallen am Krieg. Einige Götter spielten mit den Menschen, verführten sie zur Ungerechtigkeit und legten ihnen entsprechend Buße auf. Lange zuvor schon ward den Menschenvölkern von Ananke mit Harmonia, der Schicksalsspindel, eine leidvolle Zukunft gesponnen. Weil Meeresgötter nun ihren Samen unter sie verstreuten, vermehrten sich die Menschen furchtbar schnell und ihre Völker unterschieden sich immer mehr voneinander. Einige Göttern hatten Spaß daran, hässliche Gestalten unter die schönen Frauen und Männer zu mischen. Vor allem die jüngsten Nachkommen der Nyx besiegelten das Ende der glücklichen Epoche. Da waren die grausamen Töchter: Moros, das dunkle Geschick und Ker, die Todesart, aber auch die Söhne: der Tod, sowie der Schlaf und das Greisenalter. Nebuchadnezzar-William Blake Bald schon zeugte der finstere Erebos mit den Töchtern Moros und Ker weitere Kinder und die Welt änderte sich. Die Göttin Eris verbreitete ihre Zwietracht, mit der sie sogar Familien entzweite. Adrasteia, Tochter der Ananke, wurde zur Rachegöttin berufen. Sie hatte die Aufgabe, den Menschen Sühne für ihre zunehmende Disharmonie zu bringen und besondere Missetaten mit Hilfe der Erinnyen zu rächen. In der tiefsten Unterwelt des dunklen Erebos bildete das Chaos den grausamen Sohn Tartaros. Dessen Behausung ist ein schauriger Ort der Folter und Qualen für die schlimmste Sühne. 

Voller Sorge um das Gedeihen ihrer Menschenvölker gebar Gaia ihren Sohn, Prometheus, die Menschen zu verstehend, zu lieben und ihnen das Feuer und die Kultur zu bringen. Die Titanin Rheia sandte eine ihr gleiche Tochter in die veränderte Welt. Es war die Fruchtbar- keitsgöttin Demeter, vom Vater Kronos erbrochen, und es ward ihr ein Herz geschenkt. Ebenso wie ihre Mutter sollte sie eine dreifaltige Göttin sein und gebar gleichfalls eine Tochter, sich selbst zu erneuern. Wo die Füße des entzückenden Mädchens den Boden berührten, erblühten Gräser und Blumen. Der sogenannten Kore Vater, Iakchos, war der jüngere Bruder ihrer Mutter. william blake print Die göttliche Jungfrau nahm ihn, den Bruderonkel, zum Geliebten und sie vollzogen auf den Kornfeldern ihre Hochzeit. Kore, in freudiger Erwartung neuen Lebens zu voller Schönheit erblüht, nahm nun wieder das mütterliche Wesen der Demeter an. Seither wird sie besonders unter dem zweiten Namen, Kalliste, die Schönste, verehrt. Die Große Mutter offenbart sich als die Insel Kalliste und hat dort die feste Gestalt eines fruchtbaren, ringförmigen Eilands angenommen, das die runde Binneninsel, den ruhenden Vulkan Stronghyle, umgibt. Sie verwandelt sich nach Belieben in eine Kuh, eine Löwin oder eine Schlange. Le grand Voyage esoterique - Lukáš Kándl  Zur Ernte des späten Sommers ehrte die schwangere Kalliste den geliebten Iakchos mit einem Fest, bei dem sie die Flora auf künftiges Wachstum einstimmten. Der Gott wilder Vegetation und wilden Weines, Sohn des Kronos, feierte in Gestalt eines Ziegenbocks. Auch die, von Nymphen geborenen, gealterten Clanmütter nahmen teil. Gemeinsam tanzte die Gruppe sich in Trance. Bild in Originalgröße anzeigen Im orgiastischen Höhepunkt, mit leeren Geist der Nyx dienend, tötete die Fruchtbarkeitsgöttin den Gott des Weines mit der heiligen Labrys. Der berauschte Gott hatte sich nicht gewehrt, denn er empfand keinerlei Schmerz, nur wilde Ekstase. Der Leichnam des Iakchos wurde von den neun alten Frauen in tausend Stücke zerrissen. Bis auf den Phallos verspeist wurden seine Knochen in alle Himmelsrichtungen des Landes verstreut, damit daraus Weinstöcke und Getreide wachsen sollten. Unter Klagen und Fasten begann die fassungslose Kalliste eine lange Wanderung, auf der Suche nach ihrem Geliebten. Dessen Glied, das sie zu ihm führten sollte, trug sie in ihrem Kopfschmuck unter Getreidegeflecht. Es brachte sie, in Begleitung der neun Alten, an den Eingang zur Unterwelt, wo Tartaros sie sah und erobern wollte.

Hades abducting Persephone Dieser nahm sie mit in sein Reich. Indem ihr der Gott der Unterwelt das jenseitige Chaos zeigte, wandelte sich die göttliche Braut in die chthoische alte Todesgöttin. Diese, Persephone, auch Stronghyle genannt, brachte den bereits dem Wahnsinn verfallenen Greisinnen, ihrer Begleitung, den gnädigen Tod, verbrannte sie und streute ihre Asche in den Wind.

Während die dreifaltige Göttin noch nach ihrem Geliebten suchte, konnte sie sich nicht um die Vegetation kümmern. Ohne die Fürsorge des Götterpaares aber gefror die Erde und die Menschen hungerten; das war der erste Winter.  Als die Schwester endlich den, in seinem Spiegelbild veränderten Bruder fand und Iakchos aus dem Grau des Schatten- reichs befreite, musste die Totenstarre des Winters weichen. So konnte sie den Weingott mit seiner neuen Farbenpracht wieder in die erwachende Welt hinein gebären. –Malerei: Wolfgang Harms: Wolfgang Harms: Kunst Iii, Fantasy Art, Wolfgang Harms Jedoch hatte Tartaros den Iakchos im Totenreich mit einem Kern vergiftet, wodurch dieser fortan zum Ende jeden Jahres neu sterben muss. Die Vegetation wird es ihm gleich tun. Voller Treue folgt die Fruchtbarkeitsgöttin dem Liebsten jedes Mal in die Unterwelt, womit sie den tödlichen Winter wiederholt. Die Allgöttin, Urania lautet ein weiterer ihrer Namen, gab ihr jedoch den Gott Eros zum Geleit und zur Freude mit. So kommt es, daß in jedem Frühling der göttliche Sohn verjüngt aus dem Kelch der Mutterliebe hervorgehen und mit seiner Schwester Kore die Flora voller Lust neu erwecken kann.

Kinder der Kalliste, seht, die Große Muttergöttin bringt uns in ihrer Dreieinigkeit den ewigen Kreislauf der drei Jahreszeiten. Um unser Überleben im Winter zu ermöglichen, zeigte die Göttin ihren Menschentöchtern den Ackerbau und den Herd, in dem wir Feuer hüten. Sie inspirierte uns zu vielen Erfindungen, wie dem Rad und der Spindel. So konnte unser Volk ein angenehmes Leben führen. Unser Frieden aber hat ein Ende, denn unter dem Einfluss aufstrebender Titanen- söhne sind Kriege um Macht und Reichtum unter den Völkern entflammt. Die ursprünglichen Schmiede, die Telchinen, konnten ihr Geheimnis nicht hüten und die Schmiedekunst verbreitet sich. Heutzutage wird die Bronze geschmiedet, Waffen herzustellen. Der Sohn Zeus entmannt den Vater Kronos und erklärt ihm und dem gesamten Göttergeschlecht der Titanen den Krieg, bei dem er ein Götterheer anführt. Tartaros wird von Hades, dem Mitstreiter und Bruder des Zeus, aus dem vorderen Teil der Unterwelt verdrängt. Der starke Poseidon ergreift die Herrschaft über das Meer. Zeus beansprucht die Macht des väterlichen Himmels und übernimmt den Vorsitz bei Versammlungen der Götter. Jupiter Smyrna Louvre Ma13.jpg
Zeus Statue Münze

Folgende Prophezeiung des Prometheus warnt die Priesterinnen der Gaia auf der Insel Stronghyle vor der Zukunft:

“Bald wird Zeus seiner Schwester Hera die heilige Mondlabrys stehlen, die ihr von der Schwester Demeter gegeben wurde. Der kriegerische Gott nimmt Hera mit Gewalt zur Gattin und zwingt sie, seine Herrschaft anzuerkennen. Er missbraucht die Magie der Doppelaxt, indem er mit ihr die Raupe Kampe tötet. So gelingt es ihm, die erstgeborenen Erdsöhne zu befreien, denn der junge Gott hatte seiner schlafenden Gattin zuvor eine Prophezeiung der Erdmutter Gaia entlockt. Diese besagt, dass Zeus durch die Befreiung der Kyklopen und Hekatoncheiren nach zehn Jahren Kampf im elften Jahr gegen die Titanen siegen wird. Bild in Originalgröße anzeigen Für euch, Menschen, wird diese Entscheidungsschlacht eine Katastrophe bringen. – Kalliste, die Göttin eurer Heimatinsel, wird eine Metamorphose erleben. Die, von ihrem Enkel hintergangene, Gaia muss das Ungeheuer Typhon gebären, den Erzeuger heißer vernichtender Winde, die Niederlage ihrer Titanenkinder zu rächen. Die anmaßende Gewaltherrschaft des Zeus kann nicht von Dauer sein. Inanna-Kopf ? Woolley S. 41 – Hört die Botschaft der Großen Mutter Gaia an euer Volk: kybele –  Am Rande der Welt blühet immerwährend der Lenz. Frisches Leben gedeiht um der Insel berauschenden Quell, wo ewig  gold´ne Zeit im Kreise fließt. Glückseliges Elysium, der dreifaltigen Rheia heitere Gefilde! Ihr Frieden schützt den herrlichen Titan Kronos vor dem Krieg der Söhne! Alle Sorgen vergessen. Sonnenkühe und kräftige Stiere weiden auf saftigen Wiesen. Meisterwerke der Malerei - etwa Merkur und Argus von Rubens

Seiest du, holdes Elysium, deine bunten Auen und kühlen Schatten unter Weihrauchbäumen, zur Rettung meiner edelsten Menschenkinder bestimmt! Wisset, sofern ihr euch würdig erweist, wird dem Volk der Kalliste der Weg gewiesen, der großen Zerstörung zu entkommen!
 –Doch nur die Harmonia der alten Rituale kann die Rettung eures Volkes bewirken, wahre Tradition führt zur göttlichen Ordnung. Jenen aber, die vom Weg ihrer Religion abweichen und sich mit Dämonen verirren, finden in mir ewig wiederkehrendes Leid, denn mein Wesen ist an die Spirale des Daseins und das Gesetz der Vergeltung gebunden! Babylon ist durch mich gefallen… ; aus bösen Städten der Lüge können nur Heilige euch den Weg der Erlösung und Befreiung weisen…; folgt ihnen! Mutter Natur dauert in ewiger Wiedergeburt, Metamorphose…; glaubt und GOTT gibt die Seelen der Edlen frei.“ Thumbnail6:37DEAD CAN DANCEPERSEPHONE

  “Die Götter werden erst dann wiederkehren, wenn die Menschen sie wieder wollen!”

Gertrud Petrea von le Fort„DEINE Stimme spricht:
Ich habe noch Blumen aus der Wildnis im Arme,
habe noch Tau in meinen Haaren aus Tälern der Menschenfrühe.
Ich habe noch Gebete, denen die Flur lauscht,
ich weiß noch, wie man Gewitter fromm macht und das Wasser segnet.
Ich trage noch im Schoße die Geheimnisse der Wüste,
ich trage noch auf meinem Haupt das edle Gespinst grauer Denker,
denn ich bin Mutter aller Kinder dieser Erde.
Was schmähst du mich, Welt,
dass ich groß sein Darf wie mein himmlischer Vater?
Siehe, in mir knien Völker, die lange dahin sind,
und aus meiner Seele leuchten nach dem Ew’gen viele Heiden!
Ich war heimlich in den Tempeln ihrer Götter,
ich war dunkel in den Sprüchen all ihrer Weisen.
Ich war auf den Türmen ihrer Sternsucher,
ich war bei den einsamen Frauen, auf die der Geist fiel.
Ich war die Sehnsucht aller Zeiten,
ich war das Licht aller Zeiten.
Ich bin ihr großes Zusammen, ich bin ihr ewiges Einig.
Ich bin auf der Straße aller ihrer Straßen:
Auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott!“ —aus: 
Hymnen an die Kirche

Hölderlin - An Diotima1:47 Hölderlin – An Diotima

Das war nie und ist immer!  Auf den späteren Mythos der Christen, entsprungen der Wüsten-Wanderkommune des Jesus und wundersam wirkend,mag nur hingewiesen sein.

Thumbnail2:21 Ani Choying teaching: OM MANI PADME HUM Glenn Gould - Bach Concerto in D minor (1 of 3)9:09 Glenn Gould: Bach Concerto,D minor

The DoorsWaiting for the sun – YouTubeHotel Strandperle Cuxhaven, Wolfgang Harms, Wandmalerei,(Malerei von Wolfgang Harms)  Led Zeppelin – Stairway to Heaven Live Bildergebnis für phantastischer realismus wolfgang harms

 Kate Bush - Wuthering Heights - Official Music Video - Version 13:46 Kate Bush – Wuthering Heights

Geschrieben von sara tempel am 15. August 2015 | Abgelegt unter | 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Mythos”

  1. Harms Wolfgangam 1. Oktober 2015 um 09:16 Link zum Kommentar

    Sehr geehrte Herrschaften,
    wenn Sie schon Bilder aus dem Internet für Ihre Seite benützen ohne zu fragen, sollten Sie wenigstens zu jedem Bild die Urheber angeben.
    Ich erwarte Ihre Antwort.
    Gruß
    Wolfgang Harms

  2. sara tempelam 5. Oktober 2015 um 14:56 Link zum Kommentar

    Sehr geehrter Herr Harms,
    wenn ich unhöflich war, bitte ich Sie um Nachsicht! Das Problem für mich ist, daß ich mich mit den rechtlichen Bestimmungen nicht so recht auskenne und die meisten Künstler, deren Bilder ich in meinem Mythos usw. verwende, entweder verstorben sind oder mir nicht bekannt ist, wie diese zu erreichen sind!
    Voller Bewunderung für Ihre Malerei, fühle ich mich sehr geehrt, daß Sie Kontakt zu mir aufgenommen haben. Gerade zur Illustration einer erwachenden Welt passen Ihre phantastischen Bilder wunderbar zu meinem Mythos, oder sind Sie anderer Meinung? Auf diesem Wege möchte ich die versäumte Anfrage nachholen und bitte um Ihre Genehmigung!
    Gerne gebe ich Sie im Gegenzug als Urheber an! Reicht Ihnen der Name, oder geben Sie mir bitte sonst Ihre diesbezüglichen Wünsche bekannt!
    Ich bitte vielmals um Entschuldigung und verbleibe
    mit freundlichen Grüßen
    Sara Tempel

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